Gefühlter Sieg auf Giesings Höhen

Ben Penzkofer im Zweikampf

Getreu dem Motto „Gegen Kassel geht immer was“ erkämpfen sich die Amateure am Mittwochabend zu Hause ein 1:1 – Unentschieden.

Endlich war es soweit: „TTTTOOOOORRRR FÜR SECHZIG MÜNCHEN“ hallte über die Lautsprecher auf die Tribünen des Grünwalder Stadions. Im dritten Heimspiel konnten die Amateure-Fans das erste Heimspiel-Tor in dieser Saison bejubeln. Und die Fans, die an diesem ungewohnten Mittwoch den Weg ins Stadion gefunden hatten, hatten sich dies auch durchaus verdient, waren sie doch bislang hart im Nehmen. Denn nach den vergangenen Spielen mit einer recht hohen Anzahl an Toren gegen die kleinen Löwen und dem letzten Tabellenplatz hieß es heute gegen einen Aufstiegsfavoriten bestehen. Doch Kassel ist und bleibt einfach unser Lieblingsgegner. Eines stand schon vorher fest: Langweilig konnte die Partie gar nicht werden, denn wer erinnert sich nicht an den 8:3-Auswärtssieg zum Klassenerhalt oder alle anderen Partien, die generell mit vielen Toren auf der Anzeigetafel endeten.

Um in die Erfolgsspur der vergangenen Jahre zurück zu kehren hatte Klaus Koschlik heute eine ähnliche Truppe wie schon gegen Worms im Angebot, u. a. mit Malura und Kotze. Den besten Tag erwischte heute aber eindeutig Gökhan Gümüssu, der sich als offensiver Mittelfeldspieler bzw. hinter den Stürmern die Hacken wund lief und einen Ball nach dem anderen erkämpfte. Und genau so eine Einstellung wollen die Löwen-Fans sehen, da werden auch hohe Niederlagen schnell vergeben.

Von Anfang an zeichnete sich die Partie durch ein hohes Tempo auf beiden Seiten aus, man hatte das Gefühl, dass endlich wieder Leben in die Spieler zurückgekehrt war. Schiedsrichter Robert Kemptner hätte es dann aber fast geschafft, der aufkommenden Spielfreude ein jähes Ende zu setzen. Vitus Eicher faustete bei einer Torraumszene den Ball zu kurz weg. Dieser landete knapp links neben dem Fünfmeterraum und Vitus musste in höchster Not retten, was aber leider einen Elfmeter nach sich zog. Hier war die Entscheidung „Elfmeter“ noch die richtige.

Doch wie schon damals Thorsten Bauer gegen Björn Bussmann, so blieb auch heute Andreas Mayer gegen Vitus Eicher der Verlierer. Kassel braucht gegen uns also gar nicht zum Elfmeter antreten. Na gut, seien wir einfach froh, dass das 0:0 weiter bestehen blieb und Vitus seinen eigenen Fehler wieder gut gemacht hatte. Die Löwen waren also noch im Spiel und spätestens jetzt kam auch das Leben in die Stehhalle zurück. Immer wieder gute Chancen auf beiden Seiten, gefährliche Konter und schöne Zuspiele hielten die Fans bei Atem.

Kurz vor dem Pausenpfiff rang sich Schiedsrichter Kempter erneut zu einer Entscheidung durch, diesmal war diese allerdings eindeutig falsch. Denn als Max Knuth sich an seinem Gegenspieler Sebastian Gundelach vorbeidrehte und alleine auf den KSV-Keeper zuging, dann jedoch von eben jenem Gundelach niedergerissen wurde, gab es nur eine korrekte Entscheidung: Freistoß für 1860 und Platzverweis gegen den KSV-Abwehrspieler. Den Freistoß pfiff Kempter zog zum Entsetzen der Löwen-Bank aber nur den gelben Karton. Den fälligen Freistoß übrigens setzte Ben Penzkofer an den Pfosten.

Beim Pausenpfiff war erst einmal großes Durchatmen angesagt und irgendwie hatte man das Gefühl, das heute endlich wieder etwas gehen könnte. Dieses Gefühl bekam in der 52. Minute jedoch einen herben Dämpfer, denn auf einmal war Vitus Eicher geschlagen. Jonatan Kotzke ging nicht vernünftig zum Ball und plötzlich war Dennis Wehrendt frei und konnte in der 1 gegen 1-Situation Vitus Eicher bezwingen.

Doch anders als in den vergangenen Spiel gab es heute keine Auseinanderfallen, die kleinen Löwen kämpften tapfer weiter und wurde eine Viertelstunde später belohnt. Gümüssu hatte mit einem traumhaften Diagonalpass Malura bedient, der zum 1:1 ausgleichen konnte. Endlich war es soweit, ein Tor und ein Ausgleich, darauf hatten die Fans gefühlt viel zu lange warten müssen. Aber auch die restlichen fast zwanzig Minuten hatten es in sich, denn das hohe Tempo mit Chancen auf beiden Seiten blieb bis zur Schlussminute bestehen. Zwar wäre heute vielleicht sogar ein Sieg drin gewesen, doch muss man ehrlich sein. Dieses Unentschieden ist ein gefühlter Sieg, vor allem, da die junge Mannschaft endlich auch einmal für ihren Einsatz belohnt wurde und mit elf Mann das Spiel beenden durfte. Nun heißt es am Samstag gegen Pfullendorf unbedingt nachlegen, dann scheint doch die Sonne über Giesing gleich wieder ein bisschen heller.

Statistik:

1860 II: 1 Eicher – 26 Malura, 15 Bühler, 6 Kotzke, 36 Steinhart – 28 Penzkofer, 18 Wannenwetsch – 16 Koussou, 10 Gümüssu, 7 Knuth – 11 Jais. Ersatz: 12 Tank (Tor) – 2 Wolf, 4 Taffertshofer, 9 Beqiri, 20 Jevtic, 27 Karger.

KSV: 1 Hoffmeister – 32 Gundelach, 2 Wolf, 40 Knipping, 17 Gerdes – 4 Wehrendt, 8 Gaede – 20 Nguyen, 9 Mayer, 7 Ochs – 22 Damm.
Ersatz: 29 Formann (Tor) – 5 Grembowietz, 11 Hajdarovic, 14 Kwak, 18 Metin, 27 Riske 33 Murawski.

Wechsel: Karger für Jais (68.), Jevtic für Koussou (81.) – Riske für Gerdes (66.), Hajdarovic für Wehrendt (80.), Metin für Ochs (80.).

Tore: 0:1 Wehrendt (52.), 1:1 Malura (67.).

Gelbe Karten: Bühler, Wannenwetsch – Mayer., Gundelach.

Besonderes Vorkommnis: Eicher hält Foulelfmeter von Mayer (16.).

Zuschauer: 750 im Grünwalder Stadion.

Schiedsrichter: Robert Kempter (Sauldorf)